Acorn

Mit dem Atom erreichte Acorn finanziell Schwindel erregende Höhen: hatte das Unternehmen 1979 einen Reingewinn von 3000 £, konnten sie im Juli 1983 einen Reingewinn von 8,6 Million £ vorzeigen. Als das Unternehmen 1983 als Aktiengesellschaft auftrat wurden sie an der Börse mit einem Wert von 135 Millionen £ bewertet. Doch auch Acorn wusste, dass die Computerindustrie, vor allem die Konkurrenz, nicht schlafen würde und schon kurz nach der Veröffentlichung des Atom wurde an einem echten Nachfolger gewerkelt.

Vor allem der Auftritt des IBM PCs 1981 zeigte Acorn, dass nicht nur ein Markt für den Homecomputerbereich existierte, sondern auch im Businesssektor. Dieser war insofern interessant, als dass Firmen nicht nur einen, sondern gleich Dutzende von Computern erwerben würden. Ein entsprechendes Entwicklungsprogramm wurde ins Leben gerufen, der stark auf der Tube-Technologie basierte und mit dem Einsatz von Zweitprozessoren (Z80 als Beispiel) den eigenen Rechnern die Möglichkeit geben sollte CP/M-, MS-DOS- oder Unix-basierte Workstations zu erschaffen. Das Programm lief unter dem Namen Acorn Business Computer (ABC) und zwang das Team die Tubeprotokolle zu erweitern, damit andere Prozessoren für diese Aufgaben genutzt werden konnten. Anfangs erschienen es logisch den eigentlichen Nachfolger des 6502, den 68000 von Motorola, als Ausgangsbasis zu nutzen, jedoch stellte sich heraus, dass dieser bestehende Instruktionen nicht mit Interrupts unterbrechen konnte und es so zu starken Geschwindigkeitseinbußen kommen konnte. Somit schied dieser Prozessor für dieses Programm aus. Viele andere Prozessoren wurden im Entwicklungsprozess getestet, viele konnten sich jedoch nicht durchsetzen, vor allem, da die Entwickler planten, wie beim Apple Lisa eine grafische Oberfläche zu nutzen. Nachdem keiner der vorgestellten Prozessoren sich dafür als geeignet erwiesen, entschloss sich das Unternehmen zu einer Eigenentwicklung. Hierbei entdeckten sie die Veröffentlichung des Berkeley-RISC-Prozessor, der von einer Hand voll Studenten entwickelt wurde und volle 32 Bit nutzte. Sophie Wilson kreierte hierfür den Befehlssatz des neuen Prozessors, der in einer Emulation in BBC-Basic geschrieben wurde (und tatsächlich auf einem BBC Micro mit zwei 6502 lief). Die Entwicklungsabteilung von Acorn war begeistert und Wilson erhielt die Erlaubnis für die Herstellung eines Prototypen.ARM1

Bei der Arbeit wurde klar, dass Acorn allein die Entwicklung nicht stemmen konnte und zogen die Firma VLSI Technology mit ins Boot, die schon zuvor für Acorn einige Chips entwickelt hatten. Der erste Prozessor verließ am sechsten 20. April 1985 unter dem Namen ARM1 (Acorn RISC Machine 1) das Entwicklungslabor und arbeitete als zwei Prozessor in einem BBC Micro. Mit diesem Prototypen ließen sich die Simulation arbeiten für den Entwurf von Sekundärchips, wie Videocontroller, I/O-Controller und Speicher-Controller fortführen. Zudem beschleunigte er die CAD-Software, mit der am Entwurf des ARM2 gearbeitet wurde. Die mit dem ARM1 gewonnenen Erkenntnisse führten dazu, den Code des Prozessors sehr schlank zu halten.

Doch nicht alles war bei Acorn perfekt, nicht nur das Unternehmen, sondern die gesamte Computerbranche steckt in einer globalen Krise. Zur gleichen Zeit wurde Atari verkauft und Acorn kämpfte noch immer mit den fehlenden Herstellungsmöglichkeiten. Die Werbekampagne für den Electron verlief so fantastisch, dass bereits 300.000 Vorbestellungen vorlagen, im Gegensatz dazu jedoch nur 30.000 Einheiten produziert werden konnten. Acorn rechnete jedoch damit, dass alle Vorbestellungen auf ihren Electron warten würden, tatsächlich griffen viele stattdessen zur Konkurrenz in Form des C 64 oder ZX Spectrum. Als das Herstellungsproblem endlich gelöst war, war der Bedarf jedoch so weit eingebrochen, dass der Electron sämtliche internen Lagerung heilen verstopfte und der vorher festgesetzte Vertrag über die weitere Herstellung erlaubte keine Reduzierung der Menge. Am Ende des Jahres 1984 saß Acorn auf einem Berg von 250.000 Electron und fand keine Käufer. Dies bedeutete für Acorn ein schweres finanzielles Problem, hatten sie doch alle ihre liquiden Mittel in die Herstellung des BBC Master, des ARM Projektes und des ABC Projektes investiert. Vor allem das ABC Projekt, also die Entwicklung von Businessmaschinen stellte sich als geradezu krasser Flop dar. Aber auch die Expansion in die Vereinigten Staaten erwies sich als Fehler, mussten doch dort alle Rechner einen Emissionstest durchlaufen und ihre elektrische Abstrahlung reduziert werden. Auch mit dem Productplacement im Film Supergirl konnten keine Geräte verkauft werden.

BBC MasterDie finanziellen Probleme der Firma wurden so kritisch, dass im Februar 1985 Hauser und Curry eine Vereinbarung mit Olivetti trafen, in deren das italienische Unternehmen 49,3 % der Anteile an Acorn für 12 Millionen £ aufkaufte. Mit diesem Geld konnte Acorn die Verluste des letzten Halbjahres 1984 ausgleichen. Trotzdem konnte sich Acorn an den Börsen nicht mehr halten und rutschte bei der Börsenbewertung steil nach unten. Olivetti übernahmen dann Acorn im September 1985 mit einer Beteiligung von 79 %. Mit dem riesigen Unternehmen im Rücken konnten weitere Computermodelle auf den Markt gebracht werden, wie beispielsweise den BBC Master im Februar 1986, der ein Erfolg wurde, kauften doch überwiegend Schulen und Universitäten diesen neuen Rechner. Insgesamt verkaufte Acorn um die 200.000 Einheiten des BBC Master zu einem Stückpreis von 499 £. Gegenüber seinem Vorgänger wartete der Master mit 128 kB RAM als Standardbestückung auf. Ebenso wurde, statt des 6502 eine verbesserte Variante des Prozessors, namens 65SC12 eingesetzt, der ebenfalls von MOS Technology stammte und mit 2 MHz getaktet war. Um eine vollständige Kompatibilität mit dem 6502 beizubehalten, besaß der 65SC12 noch immer nur einen 16 Bit breiten Bus, was dazu führte, dass der Prozessor lediglich 64 kB ansprechen konnte, während der Rest, also die weiteren 64 KByte, nur per Paging angesprochen werden konnten, wenn sie benötigt wurden. Zusätzlich besaß der Master einen 128 kB großen ROM, wobei es auch von diesem Modell unterschiedliche Varianten mit mehr oder weniger ROM und RAM gab. Ebenso wie sein Vorgänger besaß der Master vier unabhängige Sound Kanäle, von dem einer ein Rauschgenerator war. Genutzt wurde hierfür der Sound Chip Texas Instruments SN76489. Ein Diskettenlaufwerk, dass DFS und ADFS nutzen konnte war ebenso dabei, wie auch ein Disketteninterface, Druckeranschluss, serieller Anschluss, Monitor- und Fernseheranschluss, Econet-Anschluss und noch etlichen mehr.

 

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